VOM SEHEN UND GESEHENWERDEN
30 Jahre Karneval der Kulturen

Eine Gruppenausstellung mit 14 künstlerischen Positionen

13.–26. Mai 2026
Öffnungszeiten:
Mo-Fr 14-20 Uhr (Ruhetag 18.05)
Sa-So 12-20 Uhr

 

Kunstquartier Bethanien
Mariannenplatz 2
10997 Berlin

Kunstquartier Bethanien
Die China Diabla von Edmundo Torres posiert 1995 vor dem von Christo und Jeanne-Claude verhüllten Reichstag. Foto: Max Meier

Ausgangspunkt der Ausstellung ist ein zentrales Paradox: Der Karneval der Kulturen war seit seinen Anfängen 1996 ein Ort der Befreiung, in dem die Straße sich in die größte Bühne der Stadt verwandelt. Körper nehmen Raum ein und dürfen laut sein, und die Community wird zum Mittelpunkt des öffentlichen Lebens. Gleichzeitig hat sich der Karneval als Spiegel eines exotisierenden Begehrens etabliert: ein Fest, in dem sich „Kulturen“ oder schlimmer noch: Nationen präsentieren, und das eine Idee von Authentizität inszeniert, die nicht mehr ist als das Spiegelbild dessen, was als fremd und begehrenswert gilt.

 

Karneval soll laut und absurd sein: Menschen erobern in Kostüm und Community die Straßen, um die Ordnung umzukehren, über Macht zu lachen und Übertreibung zum Prinzip zu machen. Und dennoch wird dieser Umzug in Berlin oft missverstanden als Selbstdarstellung einer Identität, die eindimensional imaginiert wird, mit wenig Raum für Humor und Irreverenz. Der Karneval der Kulturen ist eine ambivalente Veranstaltung, die zwei Projektionslogiken gleichzeitig bedient: Er ist Raum der Selbstexpression und Raum der Projektion des Anderen. Diese Ambivalenz, mit all ihren Polen und Widersprüchen, ist das, womit sich die Ausstellung auseinandersetzt.

 

14 Künstler*innen unterschiedlicher Generationen und mit unterschiedlichen Erfahrungen des Karnevals der Kulturen wurden eingeladen ihre künstlerische Arbeit im und außerhalb des Kontexts des KdK zu präsentieren. Sie wurden als Einzelpositionen eingeladen, nicht weil sie größere Gruppen repräsentieren. Es wäre unmöglich, die Tausenden von Künstler*innen abzubilden, die durch den Karneval gegangen sind. Diese 14 Positionen sprechen in völlig unterschiedlichen künstlerischen Sprachen und Formaten: Wir erleben eine Konjunktur von Hochkultur und Populärkultur, des Konzeptuellen und des Extravaganten, des Intimen und des Spektakulären. Gemeinsam befragen diese Stimmen Blickregime sowie die langsame, kontinuierliche Arbeit, als mehrdimensionale Diaspora zu existieren und zu handeln.

Programm:

Come As You Are: ein Tag offener Praktiken

Sonntag, 17. Mai, 12:00 – 20:00 Uhr
Eintritt kostenfrei & jederzeit möglich

 

Am Sonntag nach der Eröffnung verwandelt sich der Ausstellungsraum zu einem Ort der Begegnung, des Gesprächs und der kollektiven Praxis, offen für alle ohne feste Anmeldung. Kommt um eins, um zwei, um halb vier; kommt jederzeit zwischendrin.

 

Um 13 Uhr eröffnet der Künstler Edmundo Torres mit einem Workshop zu Kostüm- und Kopfbedeckungen – inspiriert von den Figuren, die er erschaffen und verkörpert hat. Mit recycelten Materialien arbeitend, offen für alle Altersgruppen und im rotierenden Verfahren über zwei Stunden hinweg, begrüßt der Workshop jeweils bis zu zehn Teilnehmer_innen, bis die Materialien ausgeschöpft sind. Auf Spanisch, bei Bedarf mit Übersetzung ins Deutsche und/oder Englische.

 

Um 15 Uhr führt die Ausstellungskuratorin Juana Awad dialogisch durch die Ausstellung, bewegt sich von Werk zu Werk und geht mit den jeweils anwesenden Künstler_innen ins Gespräch. Die Führung verfolgt die Fragen, die die vierzehn Positionen verbinden und öffnet Raum für die Fragen der Besucher_innen.

 

Um 17 Uhr wechselt der Raum erneut die Perspektive. Ein offenes Forum bringt frühe Denker_innen und Macher_innen des Karneval der Kulturen, Freund_innen der Ausstellung und alle Anwesenden zusammen, um gemeinsam über Blickregime und Erwartungen nachzudenken: darüber, was der Karneval sein sollte, was er wurde und was er noch immer offen hält. Am Gespräch nehmen unter anderem teil: Marta Galvis de Janzer und Wolfgang Janzer, Vordenker_innen und Verfasser_innen des ersten Konzepts für den Berliner Karneval der Kulturen, als dieser noch »NewKölln Carnival« hieß; Juana Awad, Co-­ Leitung des Karneval der Kulturen 2013–2014; Aissatou Binger und Anna-Maria Seifert, Leitung Karneval der Kulturen.

Künstlerische Positionen:

  • Bimal Fabbri
  • Coco Fusco, Guillermo Gómez-Peña und Paula Heredia
  • Mohamad Halbouni
  • Ikuku Berlin e. V. – The Hidden Passport
  • Daniela Incoronato
  • Melissa Kurt
  • Joaquin La Habana
  • Fred Plassmann & Erika Martínez
  • Bassirou Sarr
  • Su-Ran Sichling
  • Murah Soares
  • Edmundo Torres
  • Nancy Torres
  • Luisa Ungar
  • Ausstellungsvorraum: Van Bo Le-Mentzel & Werkstatt für Alles.

TEAM:

  • Kuratorin: Juana Awad
  • Kuratorische Asistenz: Mehtap Avci
  • Spiegelinstallation: Van Bo Le-Metzel und Werkstatt für alles
  • Produktion: Piranha AG

Die Ausstellung wird gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt